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No 21 Aug. 2026
Alle reden vom neuen Faschismus, doch niemandem gelingt es so recht, ihn zu definieren. Zwei Bücher von Eva von Redecker und Dagmar Herzog zeigen auf, wie man es machen kann: Indem man sich auf zwei Kernphänomene konzentriert – ein gewalttätiges Eigentumsdenken und Hass auf Menschen mit Behinderung.
Audio No 21 Aug. 2026
Die Hessen-CDU will neben der Verherrlichung des NS-Regimes und Leugnung des Holocaust auch die Ablehnung des «Existenzrechts Israels» unter Strafe stellen. Um dies zu erreichen, will sie ein Sonderrecht ins Strafgesetz einführen – es würde die deutsche Verfassungsidentität fundamental verändern.
en Audio No 21 Aug. 2026
Part memoir, part archive, part political history, Cristina Rivera Garza’s Autobiography of Cotton traces the intertwined histories of cotton, labor, family, and border violence across twentieth-century northern Mexico.
en Audio No 21 Aug. 2026
A new counter-canon turns away from the fascist monuments that became architectural classics to look at forgotten antifascist projects. From Red Vienna to Gaza, Antifascist Architecture traces buildings shaped by solidarity, resistance, and collective life rather than power and spectacle.
Audio No 21 Aug. 2026
Wer Antifaschist:innen mehr fürchtet als Faschist:innen, der verwechselt Demokratie mit der grenzenlosen Toleranz für ihre Gegner. Solange es kein Verbotsverfahren gegen die AfD gibt, ist ziviler Ungehorsam gegen sie eins der besten Mittel zur Verteidigung der bundesrepublikanischen Verfassung.
+en Audio No 20 Juni 2026
Nach der Dekolonisierung kamen die Despoten: So verkürzend erzählen westliche Beobachter gern die Geschichte afrikanischer Nationalstaaten. In Slow Poison gelingt dem Anthropologen Mahmood Mamdani etwas anderes: das genaue Porträt zweier Diktatoren und zugleich seines Heimatlandes Uganda.
Audio No 20 Juni 2026
Auch Schurkenstaaten sind trendsensibel: Auf der Venedig-Biennale 2026 sehen Pavillons wie der russische der modernekritischen Hauptausstellung verdächtig ähnlich. Der Kritikerkamarilla, die sich jahrelang über zu viel Politik und Theorie in der Kunst beschwert hat, müsste das eigentlich gefallen.
+en No 20 Juni 2026
Zwei Bücher über den Jüdischen Arbeiterbund und die radikale linke jüdische Tradition zeigen auf, wie heutige Politik sich aus einer lange vergessenen Geschichte diasporischer Solidarität inspirieren kann – dass den Autor:innen dabei auch ein paar Anachronismen unterlaufen, lässt sich verschmerzen.
Audio No 19 Mai 2026
Warum ist es leichter, einen sehnsüchtigen Ausspruch über das Land «vom Fluss zum Meer» zu verbieten als rechte Hasstiraden? Ronen Steinkes Meinungsfreiheit trägt viele Einzelfälle zusammen, hat zu den Gründen und Abgründen der deutschen Probleme mit diesem Grundrecht aber wenig zu sagen.
en Audio No 19 Mai 2026
Europe’s complicity has not only sustained the genocide of Palestinians, but also triggered a crisis of political legitimacy. If any political or moral credibility is to be salvaged, a different movement from below is needed.
+en Audio No 19 Mai 2026
Was im Januar mit Angriffen auf kurdische Viertel in Aleppo begann, war nur ein Anfangssymptom der größeren Neuordnung Syriens und der gesamten Region. In welcher Form kann kurdische Selbstverwaltung, wie sie in Rojava als Überlebensregime gelebt wird, hier Zukunft haben?
+en Audio No 19 Mai 2026
«Wer unglücklich mit einem Staat ist, kann drei Haltungen einnehmen: einen Wechsel der Regierung fordern, einen des Regimes – oder eine Abschaffung des Staates.» Auch jüdische Kritiken an Israel folgen diesem Schema. Lassen sie sich wirklich, wie einige behaupten, in jüdischer Tradition begründen?
+en Audio No 19 Mai 2026
«Manichäismus allenthalben – das Ende der Welt, der Demokratie und der Zivilisation, wenn der gute Kampf gegen den bösen Autoritarismus nicht mit allen Mitteln geführt wird – von unserer Jugend, die das Gespenst der deutschen Jugend von vor zwei Generationen bekämpft, die den bösen Kampf führte.»
+de Audio No 19 Mai 2026 Login
Lange einem falschen Autor zugeschrieben, fordert Antoine Idier zur Neuausgabe von Christian Maurels Für den Arsch, den Text als Kernbeitrag zu politischen und publizistischen Debatten über Sexualität, Begehren und Revolution einzuordnen. Wir veröffentlichen sein Vorwort in deutscher Übersetzung.
+en+fr Audio No 18 Apr. 2026
«Ein Vorname ist ein Talisman. Er ist die Erinnerung an den Weg, den alle anderen vor uns gegangen sind. Dass sie vor uns solches Leid ertragen haben, lindert unser eigenes. Ein Kind mit rechtem Namen ist auf ewig gerettet» – eine Erzählung zu den Bildern Rayan Yasminehs in unserem Reader 6
+en Audio No 18 Apr. 2026 Free
«Es war immer eine Illusion, dass staatlich geförderte Kultur in Deutschland überhaupt nichts mit Staatskultur zu tun habe» – ein Editorial für eine Welt, in der Kriege im Äußeren die Freiheitsräume im Inneren immer kleiner werden lassen – links und rechts von Wolfram Weimer.
+en Audio No 18 Apr. 2026
Nach dem Holocaust beruhte die moralische Ordnung der Bundesrepublik auf der Verantwortung gegenüber Juden. Wenn daraus aber ein Verlangen wird, als «jüdisch» vorgestellte Eigenschaften selbst zu besitzen, schlägt die performative Liebe zu Juden in ihr Gegenteil um.
Audio No 18 Apr. 2026
Nirgendwo hat Jürgen Habermas die symbolische Ordnung der Bundesrepublik nachhaltiger geprägt als in der Erinnerungskultur. Doch mit den Jahren wurden seine gedächtnispolitischen Interventionen dünner und es wuchs die Ahnung: Wir sind da – mit Habermas oder gegen ihn – in eine Sackgasse geraten.
Audio No 18 Apr. 2026
«Einen echten Kontrast bildeten derweil die Wortmeldungen englischsprachiger Linker, denen der deutsche Philosoph eine blasse Erinnerung auf Seminarplänen schien – war Habermas nicht auch in der Hitlerjugend gewesen und lag bei Gaza arg daneben?» – Nachlese zum Tod des großen Denkers der BRD.
+en Audio No 18 Apr. 2026
Was geschieht, wenn man die niederländische Literatur aus ihrem beschaulichen nationalen Gehäuse sprengt und in eine postimperiale, trümmerübersäte Weltgeschichte versetzt? Safae el Khannoussis Debüt folgt einer jüdisch-marokkanischen Dissidentin quer durch «Oroppa» und zurück nach Nordafrika.
en Audio No 18 Apr. 2026 Login
If Péter Magyar’s Tisza party unseats Viktor Orbán after sixteen years of popularly legitimized autocratic rule, it will end a regime that has steadily narrowed democratic life in Hungary. The route out of Orbánism, however, comes at the cost of diminishing all non-right-wing political options.
Audio No 18 Apr. 2026
«Die Wüste ist auf dem Vormarsch», schrieb Schklowskij 1926 über einen Autorenkollegen, dessen Hauptberuf es war, sibirische Steppenlandschaften urbar zu machen. Heute schwebt Platonov wie ein meteorischer Fremdkörper durch die Literaturgeschichte. Seine politische Botschaft könnte klarer kaum sein.
Audio No 18 Apr. 2026
«Ein Verblödungszusammenhang, der sich als Nichtwahl zwischen einem Springer-Sch**** und einem Zeit-De**** präsentierte» – zwei Bücher von Erika Thomalla und Philipp Goll fangen ganz gut ein, wie der deutsche Popjournalismus sich in den 90ern spaltete – und bis heute nicht zusammenfand.
Audio No 18 Apr. 2026
«Tod dem Schah» riefen in den 60ern Iraner:innen, die gegen die Diktatur ankämpften. Nach dem Januar-Massaker der islamischen Regierung an Protestierenden und mitten im US-israelischen Luftkrieg wünschen viele Exilierte sich den Schah zurück. Wie konnte die iranische Diaspora so nach rechts driften?
Audio No 18 Apr. 2026
Wie klingt die Welt, wenn die Aufnahme versagt? In der Nähe Alexander Kluges wird Erinnerung in Ben Lerners Transkription zur Technik der Montage und die Gegenwart beginnt, von der Spule zu rutschen.
+en Audio No 18 Apr. 2026
Abdalrahman Alqalaqs Gedichte und Prosa folgen einer Familie durch Jahrzehnte der Vertreibung. Im Burgtheater Hildesheim nimmt Abwesenheit Gewicht an: Kalksteine werden zu Gräbern und Ruinen, eine unruhige Geschichte immer wieder neu arrangiert.
+en Audio No 18 Apr. 2026
Was wäre, wenn wir eines Tages aufwachen und feststellen, dass alle Palästinenser:innen vom Erdboden verschwunden sind? Ibtisam Azems Roman Das Buch vom Verschwinden geht diesem Gedankenexperiment nach – nicht als dystopische Zukunft, sondern als Spiegel einer anhaltenden Realität von Vertreibung.
+en No 17 Feb. 2026
Um 1960 galt Paris vielen Schwarzen Intellektuellen als Zufluchtsort vor Rassismus. In Gesicht aus Stein konfrontiert William Gardner Smith dieses Ideal mit der mörderischen Repression algerischer Einwanderer. Die resultierenden Konflikte, auch zwischen Minderheitengruppen, erinnern an heute.
+en Audio No 17 Feb. 2026
Als US-Truppen am 3. Januar 2026 den Präsidialsitz von Nicolás Maduro überfielen, handelten sie im Einklang mit einer Erzählung, die nach 9/11 von George W. Bush gesetzt wurde und die südamerikanische Machthaber seither beliebig nutzen: «Der Drogenhandel unterstützt terroristische Netzwerke.»
+en No 17 Feb. 2026
Der Essay «Erziehung nach Gaza nach der Erziehung nach Ausschwitz» von A. Dirk Moses, vergangenen September in Berlin Review publiziert, sorgte für regen Widerspruch, darunter eine Replik von Philipp Lenhard auf diesen Seiten. Hier antwortet der Autor auf seine Kritiker und schärft sein Argument.
No 17 Feb. 2026
Mit manipulierten Medieninhalten haben deutsche Regierungen seit der «Emser Depesche» ihre Erfahrungen gemacht. Warum beteiligt sich der deutsche Außenminister, und mit ihm der französische, an der Kampagne gegen die UN-Palästina-Beauftragte Francesca Albanese, die nachweislich auf einem Fake fußt?
Audio No 17 Feb. 2026
Vor ihrer Weltkarriere als Autorin war Toni Morrison zwei Dekaden lang Lektorin bei Random House. Eine akribische Studie von Dana A. Williams erhellt diese Zeit, lässt das Wichtigste aber aus: den poetischen und politischen Kontext, in dem Morrison als eine der ersten Schwarze Literatur ermöglichte.
No 17 Feb. 2026
Auf der Bühne stehen die Autoren, doch für Substanz und Kontinuität im Literaturbetrieb sorgen die Lektoren. Jean Paulhan, legendärer Zeitschriftenmacher und Gallimard-Cheflektor, füllte beide Rollen. Seine Forschungen über madagassische Sprichwörter zeigen sein Sprachgenie und Sinn für Tradition.
en+es No 17 Feb. 2026
Ninguna dictadura se construyó en un solo día. Pero hay momentos de espectáculo que pueden otorgar a años de maniobras institucionales un aire de inevitabilidad. El 4 de febrero de 2024, Nayib Bukele escenificó uno de ellos desde el balcón del Palacio Nacional.
+en Audio No 16 Jan. 2026 Login
«An der BPI sitzen zwei Schülerinnen in Tanktops und zeigen sich etwas auf ihren Handys – dass heute angeblich alle mit ihren Smartphones ähnliche Fotos machen könnten wie Wolfgang Tillmans, ist ein frecher Einwand gegen seinen Stil, eigentlich aber die ultimative Anerkennung seiner Meisterschaft.»
Audio No 16 Jan. 2026
Von alltäglichen Übergriffen bis zum Extremfall Genozid, immer zwingt eine Seite der anderen Gewalt auf. Doch es gibt Wege, die Gewalt zurückzuweisen. Indigene Kämpfe in Palästina, Indien und unter den First Nations zeigen ein weites Spektrum zwischen Gewaltverzicht und bewaffnetem Widerstand.
Audio No 16 Jan. 2026
Mit Adorno gegen Israel denken? Das sei der – laut Philipp Lenhard zum Scheitern verurteilte – Versuch von A. Dirk Moses in seinem Berlin-Review-Essay «Erziehung nach Gaza nach der Erziehung nach Auschwitz». Wir veröffentlichen Lenhards Replik.
Audio No 16 Jan. 2026
In Jonathan Glazers The Zone of Interest dröhnt der Holocaust als Soundscape über die NS-Heimatidylle, in Selma Doboracs De Facto erzählen sich Menschheitsverbrechen in quälenden Monologen selbst. Beide Filme zeigen Täter, ohne Taten zu bebildern. Wie weit reicht ihre Kritik der Gewalt?
en Audio No 16 Jan. 2026
Why is Gaza so significant, people keep asking. It is not only the destruction of tens of thousands of innocent lives. It is also the ideological dimension that makes Gaza stand out, much like another local war that divided societies around the globe—and set the stage for World War II.
Audio No 15 Nov. 2025
Deutschland, lay down. Frank Trentmann will die Blockierte Republik entkrampfen, Dr. Thomas Bergner den German Burnout behandeln. Der sozialtherapeutische Impetus ihrer Bücher zeigt: Diesem Land fehlt so einiges, besonders aber die Einsicht, dass Individuum und Gesellschaft nicht identisch sind.
en Audio No 15 Nov. 2025
“Smoking might be banned at book fairs, while one doesn’t expect books to be banned from book fairs. Even if a character in one of the books exhibited at a fair is smoking, this wouldn’t lead to a ban on characters smoking in books. The simple, obvious reason is: literature does not equal reality.”
Audio No 15 Nov. 2025
Rodrigo Duterte sitzt in Haft in Den Haag, die Folgen seines Krieges «gegen die Drogen» halten an. Als Traumareporterin war Patricia Evangelista aus nächster Nähe dabei. Ihr Buch Some People Need Killing erzählt von Opfern wie Tätern und zeigt: Entmenschlichung hat Methode – und ist menschlich.
Audio No 15 Nov. 2025
Maschinenstürmer, Geschichtsfreak, Mondscheinromantiker, «Radiolurch». Thomas Pynchon hat viele Gesichter, nur das eigene hält er seit 70 Jahren geheim. Schön, dass er jetzt doch noch einen Roman geschrieben hat! Zu früherer Form kann er nicht mehr auflaufen – bleibt das Komplott um den Käse.
+it Audio No 15 Nov. 2025
«Stimmen hören, und das auch noch in einem deutschen Kostümfilm, der von Gefühlen handelt – da kommt unweigerlich Kitschverdacht auf. Glücklicherweise umschifft Mascha Schilinskis In die Sonne schauen dieses Problem elegant, verkehrt das Klischee ins Gegenteil und macht es zur eigenen Stärke.»
+en No 14 Okt. 2025
Für linke, kritische Theoretiker:innen war Adornos «Erziehung nach Auschwitz» ein Eckpfeiler der postgenozidalen Re-Education der BRD. Während Gaza brennt, wird Adornos ausdrückliche Warnung vor einer neuen «Staatsräson» in ihr Gegenteil verkehrt – auch und gerade von seinen institutionellen Erben.
en No 13 Aug. 2025
It was a tragic turning point in the history of decolonization: the CIA-backed ousting and assassination of Congo’s president Patrice Lumumba. In the era’s visual and sound archives, Johan Grimonprez has tried to find a soundtrack to this fateful coup d’état, but fails to grasp its complex rhythms.
No 12 Juni 2025
Wie kann es sein, fragt Holocaust- und Genozidforscher Omer Bartov, dass Israel, Land der Opfer, 80 Jahre nach der Shoah nahezu unbehelligt einen Völkermord an den Palästinensern begeht? Seine Erkundung der moralischen Implosion führt zu apathischen Israelis – und in einen gedankenlosen Westen.
No 12 Juni 2025
Um Restauration und Biedermeier zu stürzen, zettelten Brandstifter wie Heine, Stirner und Gutzkow einen Guerrillakrieg der Ideen an. Wie organisierten sie den Gedankenschmuggel? Und was konnten sie ausrichten gegen die preußische Ober-Censur und ihre Rotstift-Armee aus Pfarrern und Gymnasiallehrern?
+en No 12 Juni 2025
Die Zerstörung Gazas wirft Juden in eine Identitätskrise. Bücher von Peter Beinart, Michael Sfard, Göran Rosenberg und Enzo Traverso legen Rechenschaft ab – und konfrontieren den Extremismus der Netanjahu-Koalition mit einer radikalen Alternative: den Tugend- und Weisheitslehren jüdischer Tradition.
+en Audio No 11 Mai 2025
Auch die Deutschen seien am 8. Mai 1945 vom Nationalsozialismus befreit worden, behauptete Bundespräsident Weizsäcker vor vierzig Jahren. Die so eingeleitete Erinnerungskultur scheitert heute an der Realität. Eine Widerrede zu Ehren der «Displaced Persons» und aller, die ihrer Befreiung noch harren.
No 11 Mai 2025
Die schädlichsten Gründungsmythen brauchen gar keine Menschen: Fossilien sind ihnen lieber. Gegen den Yuval-Harari-Trend erzählen Stefanos Geroulanos und Caroline Winterer die Entstehung der Vor- und Frühgeschichte im 19. Jahrhundert als akademisch-imperiale, stets zur Ausrottung aufgelegte Mission.
No 11 Mai 2025
Ist Taiwan, ein Staat mit heißlaufenden Chipfabriken, kaum Einwanderung, niedrigen Steuern und der Todesstrafe auf schwere Vergehen, ein Traumland für Libertäre? Notizen von einer seit Jahrhunderten antikolonialen Insel am Vorabend der Invasion, die vielleicht niemals kommen wird.
+en No 10 Apr. 2025
Vom Westen kaum bemerkt, zerrissen von religiösen, ethnischen und ökonomischen Konflikten, ist der Sudan seit Jahren eine der tödlichsten Regionen der Welt. Die systematische Gewalt gegen Frauen in diesem Krieg hat eine Vorgeschichte im Sklavenhandel – und in der Familienhistorie unserer Autorin.
No 10 Apr. 2025
Vor 100 Jahren amtierte in Thüringen die erste von völkischen Kräften tolerierte Landesregierung. Sie zwang das Bauhaus zum Umzug von Weimar ins noch SPD-regierte Dessau. Heute sind Kunsthochschulen wieder ein Ziel von Gängelung und Repression – und die gedankenlose politische Mitte macht mit.
No 9 März 2025
Enzo Traversos Gaza im Auge der Geschichte beginnt mit dem Feuersturm von Hamburg 1943 und entfaltet von dort eine psychopolitische Analyse, die wie für deutsche Sensibilitäten geschrieben scheint: ein Angebot, noch einmal neu und anders über den 7.10., seine Vorgeschichte und Folgen nachzudenken.
No 9 März 2025
Warum wählen breite Bevölkerungsschichten faschistische Parteien, auch wenn rechte Politik ihnen schadet, ja sie verachtet? Auf diese Frage, die sich angesichts der Erfolge von Trump und AfD erneut stellt, sucht und findet die Linke seit den 30ern Antworten – zumindest in der Theorie.
No 9 März 2025
Der eine ging von Osten über die Grenze, den anderen zog es noch weiter westwärts: Thomas Brasch und Rolf Dieter Brinkmann. Ihre wieder oder erstmals herausgegebenen Texte zeugen von Krämpfen und zudringlicher Verletzlichkeit. Und einer Vergangenheit, die zur Abwechslung mal wirklich vergangen ist.
No 9 März 2025
Im «Charlottengrad» der 1920er lebten nicht nur Nabokov und Schklowski, sondern eine halbe Million exilierter Sowjetbürger. Roman Utkins gleichnamiges Buch zeigt diese Community in ihrer ganzen existentiellen Ambivalenz – und wirft ein schillerndes Gegenlicht auf Berlins heutige Exilanten.
No 9 März 2025
Miljenko Jergovićs Sarajevo Marlboro-Erzählungen erschienen noch während der 1452-tägigen Belagerung der Stadt und halfen dabei, sie zum literarischen Erinnerungsort Europas zu machen. 30 Jahre später vermittelt ein Doppelgänger-Fortsetzungs-Band den Eindruck, es hätte sich kaum was geändert.
No 8 Jan. 2025
«Von Anfang an war der jugoslawische Krieg ein Krieg um Erinnerung. Bevor 1991 die ersten Schüsse fielen, gingen Geschichtsbilder und Zahlen aufeinander los, rissen das rote Sternenbanner in Stücke, deuteten neue Gräueltaten an, die aus den alten erwuchsen.»
+fr No 8 Jan. 2025
Kamel Daoud, Gewinner des Prix Goncourt 2024, gilt in Frankreich als maßgebliche Stimme des intellektuellen Algerien und Experte für koloniale Vergangenheit, Islamismus und Einwanderung. Sein Roman Houris behandelt den algerischen Bürgerkrieg der 1990er – und lässt einige historische Lücken.
No 8 Jan. 2025
Nach Jahrhunderten der Enttäuschung, scherzte Octavio Paz im Ernst, glaube man in Mexiko nur noch an die Lotería und die Jungfrau von Guadalupe. Anstatt weiterhin Worthülsen anzubeten, sollte die Kulturwissenschaft Phänomene wie ihre Verehrung als historisch-poetische Universalien erforschen.
+it No 8 Jan. 2025
Mit 97 überlebt Leni Riefenstahl einen Hubschrauberabsturz im Sudan – eine weitere Survivor-Story in ihrem an Heldengeschichten reichen Leben. In Andreas Veiels Doku Riefenstahl sind es nicht die kleinen Fehler, die R.s Lebenslügen aufdecken. Es ist die archivarische Sammelwut der Autorin selbst.
+it No 7 Nov. 2024
Vier Stunden dauere die Lektüre eines Buchs von Fleur Jaeggy, sagte Joseph Brodsky, aber um das Gelesene zu verarbeiten, brauche man ein Leben lang. Mit über achtzig erfährt die schweizerisch-italienische Autorin, deren Romane und Erzählungen von herber Strenge sind, eine verdiente Neuentdeckung.
+en No 7 Nov. 2024
Er könne sich die Welt ohne Israel nicht vorstellen, schrieb Paul Celan 1972 an Jehuda Amichai – und machte damit ein Phantasma namhaft, das den Nahostkonflikt bis heute bestimmt. Kurz nach der israelischen Beeper-Attacke im September traf sich eine Gruppe in Tel Aviv, um diesen Satz zu diskutieren.
+en No 7 Nov. 2024
Rashid Khalidis Der Hundertjährige Krieg um Palästina vertritt eine historisch-kritische Lesart des Nahostkonflikts – gegen den Mythos, der ihn als Clash zweier unvereinbarer Narrative darstellt. Was international als neues Standardwerk begrüßt wird, gerät in Deutschland unter Extremismusverdacht.
No 6 Okt. 2024
Als in den 60ern in Jugoslawien die Winnetou-Filme gedreht wurden, kamen die Komparsen, die in Cowboy-und-Indianer-Drag aufeinander schossen, vom Balkan und der Vojvodina. Jahrzehnte später bekriegten sie sich in echt. In Die Projektoren macht Clemens Meyer daraus ein melancholisches Wende-Epos.
No 6 Okt. 2024
Grosny, «Die Schreckliche», wurde 1818 als russische Garnison im Kaukasus gegründet. Von hier dominierte das Zarenreich, die UdSSR, schließlich Putin die Gebirgsregion. Tschetschenen, Georgier und Armenier haben ein taktisches Verhältnis zur Großmacht. Ein Modellfall von russischem Kolonialismus?
+en No 5 Aug. 2024
«Das Israel, an das ich mich erinnere, sieht sich selbst als säkular, liberal und demokratisch … Es ist das Israel, das gescheitert ist, das vorbei ist. Für dieses Israel war Jerusalem die Vergangenheit, Tel Aviv die Gegenwart, und die Zukunft – das war Haifa.»
No 5 Aug. 2024
Links, antinational und pro Israel war die Formel der Antideutschen, die 1989/90 als linksradikale Subkultur entstanden. Manche von ihnen drifteten weit nach rechts, andere machten Karriere in Medien und Politik. Den deutschen Diskurs über Israel, Palästina und Antisemitismus prägen sie bis heute.
No 5 Aug. 2024
Schweden, einst «moralische Supermacht» und Wohlfahrtshimmel, ist heute Pro-Kopf-Weltmeister im Export von Waffen, Musik und – Krimis. Was hat das mit der so gar nicht fiktiven Erschießung des Premiers Olof Palme zu tun, und was mit der explodierenden Bandenkriminalität? Die Ermittlungen laufen.
+en No 4 Juni 2024
Unter Adenauer und Ben-Gurion nahm die deutsch-israelische Versöhnung an Fahrt auf. Gehandelt wurde dabei aus Kalkül, nicht aus Vergebungseifer und Reue. Somit beruht die Entstehungsgeschichte unserer Staatsräson auf einem einfachen Tauschhandel: Absolution für Deutschland, Aufbauhilfe für Israel.
No 4 Juni 2024
Deutsche Kolonialtruppen begingen im heutigen Namibia den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts, doch noch immer fehlt Grundwissen zu diesem Verbrechen, das die Bundesregierung zögerlich anerkennt. Kein Wunder, dass Namibia über die deutsche Haltung zur Genozid-Klage gegen Israel empört ist.
No 4 Juni 2024
«Der Palast der Republik ist Gegenwart», behauptet eine Ausstellung im Berliner Stadtschloss. Das ist selbstredend Quatsch, denn er wurde vom nationalkonservativen Schlossneubau verdrängt. Das «Forum für Vielstimmigkeit», das das Humboldt-Forum seither sein möchte, ist eines für Geschichtsklitterei.
+fr No 3 Mai 2024
Das Schicksal der Hamas-Geiseln spaltet Israel. Netanyahu wird gedrängt, einen Befreiungsdeal zu schließen, doch gerade religiöse Zionisten lehnten dies monatelang ab. Die rabbinische Rechtsgeschichte zeigt, wie zentral die Geiselfrage für die jüdische und demokratische Identität des Landes ist.
No 3 Mai 2024
Uns ist sie kaum bekannt, in Mexiko eine Ikone: Als dichtende Nonne und fanatische Rationalistin sprengte Sor Juana alle Erwartungen des 17. Jahrhunderts. Eine neue Übersetzung lädt ein, die Hochbegabte bei ihrem Höhenflug zum Scheitelpunkt der Vernunft zu beobachten. Wenigstens aus «der Ferne».
No 2 Apr. 2024
Die Fiktion einer «Stunde Null» ließ viele Deutsche nach 1945 an ihre Besserung glauben. Frank Trentmanns Gewissensgeschichte zeigt jedoch, wie sehr das moralische Empfinden der Nachkriegsdeutschen dem der Nazideutschen entsprach – mitsamt einer Mitleidslosigkeit, die noch heutige Debatten prägt.
+en No 2 Apr. 2024
Jan Assmann erforschte nicht nur Ursprungsmythen, er erzählte sie auch. Seine These vom Antisemitismus als Reaktion auf monotheistische Gewalt wurde selbst als antisemitisch kritisiert. Doch das war sie nicht, vielmehr zeigte sie das Judentum als Kern und Herausforderung der westlichen Zivilisation.
en No 2 Apr. 2024
Germany takes pride in its memory culture. But its often self-congratulatory remembrance rituals have many blind spots. One of them is the network of international solidarity that the GDR was part of. Echos of the Brother Countries, an exhibition at HKW Berlin, allows for a closer look.
+es Audio No 1 Feb. 2024
In Argentinien ist Inflation keine Erkrankung der Ökonomie, sondern Lebensform und kulturelle Konstante. Wer sie studiert, gelangt vom Urknall zum Volcker-Schock, vom Anarchokapitalismus zur wahnhaft kalkulierenden Einzelseele. Gibt es den graceful exit? Mit einer Hörfassung von Hanns Zischler.
No 1 Feb. 2024
Goldene Zeitalter hätten ihn nie fasziniert, schreibt Peter Brown in seiner Autobiografie. Fast im Alleingang hat er aus der Spätantike ein respektables Forschungsthema gemacht. Den meisten gilt die Zeit um den Niedergang Roms als irrational und finster, bei ihm schillert sie in ansteckendem Licht.
+en No 1 Feb. 2024
Am 29. April 1987, anlässlich des 20. Jahrestags des Sechstagekriegs, veröffentlichte David Grossman, damals ein junger 33-jähriger Autor, eines der bedeutendsten Werke, die in Israel zur palästinensischen Frage erschienen sind: Die gelbe Zeit. Ein halbes Jahr später brach die Erste Intifada aus.
+en No 1 Feb. 2024
Die liberale Nachkriegsordnung fußte auf einer Vermittlung des Singulären und Universellen. Im «Nie wieder», das Israel und die BRD sich je zu eigen machten, wurde sie kontraktualisiert. Nirgends ist ihr Ende nun prägnanter zu spüren als in Deutschland, das seit dem 7.10. mit seiner Identität ringt.
No 1 Feb. 2024
Die größte palästinensische Diaspora Europas lebt in Deutschland. Im politischen Diskurs kommt sie kaum vor, und das hat nicht nur tagespolitische Gründe. Der ganze Widerwille Westdeutschlands, zum Einwanderungsland zu werden, ließe sich anhand der Geistergeschichte seiner Palästinenser erzählen.