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Dieser Drang nach Härte: Über den neuen FaschismusEva von Redecker
S. FischerMärz 2026 24 € 272 S.
Der neue faschistische KörperDagmar Herzogübers. v. Lisa Jay Jeschke
Wirklichkeit BooksSept. 2025 18 € 124 S.

Anfang Mai meinte Jan Philipp Reemtsma, die deutsche Historiker- und Sozialwissenschaftlerzunft einmal so richtig provozieren zu müssen: Er stellte eine immer häufiger gestellte Frage infrage, nämlich die, ob es sich bei bestimmten Phänomenen der Gegenwart um Faschismus handele (auch der Verfasser dieser Zeilen bekennt sich schuldig, eben diese Frage schon hier und da gestellt zu haben). Ein derartiges Framing, so Reemtsma, verspreche wenig an Erkenntnis, sichere aber Zugehörigkeitsgefühl – denn es wird mit maximaler Stärke signalisiert, dass man sich zu denen zählt, die sich allergrößte Sorgen um die Demokratie machen.

Reaktionen auf Reemtsmas Provokation – etwa von Rahel Jaeggi und Robin Celikates – insistierten vor allem darauf, dass alternative Ansätze leicht verharmlosend wirken könnten, insbesondere «Rechtspopulismus» erscheint vielen heute irgendwie zu nett. Außerdem ließen Reemtsmas Kritiker:innen vehement verlauten, dass das, was sehr wohl als Faschismus gelten müsse, eben nicht einfach das klar abgrenzbare Gegenteil der liberalen Demokratie sei, sondern sich in ihrem Inneren verbergen oder auf irgendeine Weise vorbereiten könne – Abwandlung eines berühmten Gedankens Adornos aus den sechziger Jahren. So gut wie alle Beteiligten mahnten an, es müsse dringend eine Theorie von Faschismus formuliert werden, die auf der Höhe der Zeit sei. Worauf man natürlich zu erwidern versucht ist: Na, dann formuliert sie doch endlich!

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Der Crash von Kriterien und Analogien

Jemand hat nun eine solche Theorie vorgelegt, die, anders als eher unglückliche Konstruktionen wie «demokratischer Faschismus», überaus originell und in der Tat auf der Höhe der Zeit ist. Eva von Redecker, eine der wichtigsten polit-philosophischen Stimmen in Deutschland, beginnt ihr Buch mit der Forderung, klare Kriterien für einen neuen Begriff des Faschismus zu entwickeln. Sie weist zu Recht darauf hin, dass die nun seit gut zehn Jahren laufende Diskussion über mögliche Parallelen mit den katastrophalsten politischen Phänomenen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur zu einem Clash, sondern auch einem «Crash der Analogien» geführt habe. Die Debatte ist festgefahren, weil Historiker:innen im Zweifelsfall mit Merkmalslisten hantieren, welche, abstrahiert von historischen Kontexten, nicht sonderlich hilfreich und vor allem auch keine Theorien sind; ausgewiesene Philosophen wiederum – man denke an den Amerikaner Jason Stanley – setzen so abstrakt und allgemein an, dass fast alles, was irgendwie mit «Wir-gegen-die»-Konflikten zu tun hat, als Faschismus durchgehen könnte.

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