Berlin’s public pools have become battlegrounds over race, security, and national decline. The moral panic surrounding the Volksbad project asks what remains of the pool as a public good, and what kinds of social life can still take shape there.
Alle reden vom neuen Faschismus, doch niemandem gelingt es so recht, ihn zu definieren. Zwei Bücher von Eva von Redecker und Dagmar Herzog zeigen auf, wie man es machen kann: Indem man sich auf zwei Kernphänomene konzentriert – ein gewalttätiges Eigentumsdenken und Hass auf Menschen mit Behinderung.
«Es gibt inzwischen eine Technologie, die vorgibt, jederzeit und von jedem beliebigen Standpunkt aus über jedes beliebige Thema sprechen zu können. Wie könnte die Punkte-Philosophin da widerstehen?»
Part memoir, part archive, part political history, Cristina Rivera Garza’s Autobiography of Cotton traces the intertwined histories of cotton, labor, family, and border violence across twentieth-century northern Mexico.
A new counter-canon turns away from the fascist monuments that became architectural classics to look at forgotten antifascist projects. From Red Vienna to Gaza, Antifascist Architecture traces buildings shaped by solidarity, resistance, and collective life rather than power and spectacle.
Alle in Brasilien zahlen mit «PIX», dem besten digitalen Zahlungssystem der Welt. Das provoziert die US-Regierung zu einem Angriff, der weit über Handelsfragen und Zollpolitik hinausreicht. Was macht Pix so unwiderstehlich gut? Und was für die MAGA-Bewegung gefährlich?
Der neue Faschismus ist auch ein Sound-Ereignis, zumal in Argentinien, wo Javier Milei mit Kettensägen rasselt und sein Programm wie ein Metalsänger ins Mikrofon brüllt. Ein Bericht aus Buenos Aires unter dem Einfluss von ohrenbetäubendem Lärm, Bildbrüchen, Geisterbeschwörung und Omertà.
Nobody killed the humanities. And yet they lie in guilt and agony in their cave, reaching for the last roasted scraps of the Sun God’s sacred cattle. What does this end-of-the-world Odyssey summer mean for the public intellectual? And can they survive it?
«Das bedrückende, aber auch interessante Gefühl, nie wirklich jung gewesen zu sein, dürfte der Lebenswirklichkeit vieler junger Menschen heute schicksalhaft entsprechen.» Auffallend viele Texte in unserem Reader 7 beschäftigen sich mit Ewigkeit, Tod – und dem nicht-optimierbaren Rest des Lebens.
Ewig leben im Abo-Modell: Longevity überführt rechte Verfallsangst und religiöse Endzeitsehnsucht in eine Pay-to-Pray-App für alle, die schon heute erlöst sein wollen.
Who has the freedom to be disliked? Wuthering Heights, One Battle After Another, and other recent cultural products reveal different approaches to navigating the politics of race and representation—shaping not only fictional characters, but the practice of criticism itself.
Zwei Bücher über den Jüdischen Arbeiterbund und die radikale linke jüdische Tradition zeigen auf, wie heutige Politik sich aus einer lange vergessenen Geschichte diasporischer Solidarität inspirieren kann – dass den Autor:innen dabei auch ein paar Anachronismen unterlaufen, lässt sich verschmerzen.
Au revoir, transfuge de classe? Reflecting on a genre that she herself played no small role in shaping, Claudia Durastanti considers the way contemporary transclass literature has been impaired by austerity and downward mobility—and now “succumbs to an insidious hypertrophy of the self.”
Im Spätkapitalismus leben immer mehr Menschen allein – und sterben allein. Max-Planck-Forschende haben untersucht, wie Gesellschaften mit dem einsamen Sterben umgehen. Während Deutschland dabei offenbar nur an Crime und Krimis denken kann, sucht man in Japan wirkliche Antworten auf die Einsamkeit.
«Die Funktionsweise Groks bleibt eine Black Box. Was aus ihr kommt, ist kategorisch flach: Hamas oder Siedler, Krake oder Oktopus, alles sieht gleich aus, wird gleich, äquivalent, scheißegal.»
“But history / Is not without a malicious sense of humor, / And commerce is cleverer than it gets credit for.” Ryan Ruby plucks at the strings that stretch from there to here, from our skulls to our screens, in three poems on looking and not looking, doing and not doing.
«Wer unglücklich mit einem Staat ist, kann drei Haltungen einnehmen: einen Wechsel der Regierung fordern, einen des Regimes – oder eine Abschaffung des Staates.» Auch jüdische Kritiken an Israel folgen diesem Schema. Lassen sie sich wirklich, wie einige behaupten, in jüdischer Tradition begründen?
«Manichäismus allenthalben – das Ende der Welt, der Demokratie und der Zivilisation, wenn der gute Kampf gegen den bösen Autoritarismus nicht mit allen Mitteln geführt wird – von unserer Jugend, die das Gespenst der deutschen Jugend von vor zwei Generationen bekämpft, die den bösen Kampf führte.»
How it feels to watch Kristoffer Borgli’s twisted rom-com The Drama, starring Zendaya and Robert Pattinson, about an almost-canceled wedding when you’ve actually canceled your own.
«Einen echten Kontrast bildeten derweil die Wortmeldungen englischsprachiger Linker, denen der deutsche Philosoph eine blasse Erinnerung auf Seminarplänen schien – war Habermas nicht auch in der Hitlerjugend gewesen und lag bei Gaza arg daneben?» – Nachlese zum Tod des großen Denkers der BRD.
Was geschieht, wenn man die niederländische Literatur aus ihrem beschaulichen nationalen Gehäuse sprengt und in eine postimperiale, trümmerübersäte Weltgeschichte versetzt? Safae el Khannoussis Debüt folgt einer jüdisch-marokkanischen Dissidentin quer durch «Oroppa» und zurück nach Nordafrika.
If Péter Magyar’s Tisza party unseats Viktor Orbán after sixteen years of popularly legitimized autocratic rule, it will end a regime that has steadily narrowed democratic life in Hungary. The route out of Orbánism, however, comes at the cost of diminishing all non-right-wing political options.
«Die Wüste ist auf dem Vormarsch», schrieb Schklowskij 1926 über einen Autorenkollegen, dessen Hauptberuf es war, sibirische Steppenlandschaften urbar zu machen. Heute schwebt Platonov wie ein meteorischer Fremdkörper durch die Literaturgeschichte. Seine politische Botschaft könnte klarer kaum sein.
Frustrated with the prestige that Joachim Trier’s Sentimental Value has amassed with ease, our critic argues that arthouse cinema has entered an age of “production value,” in which the mere aura of seriousness has replaced originality, and quality of execution is everything.
Als US-Truppen am 3. Januar 2026 den Präsidialsitz von Nicolás Maduro überfielen, handelten sie im Einklang mit einer Erzählung, die nach 9/11 von George W. Bush gesetzt wurde und die südamerikanische Machthaber seither beliebig nutzen: «Der Drogenhandel unterstützt terroristische Netzwerke.»
Die zwölf reichsten Menschen der Erde besitzen mehr als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung – bei lächerlich geringen Steuersätzen auf Vermögen. Wie diese absurde Situation aus einer Nachkriegsanomalie entstand und wie sie sich beheben ließe, erklärt Gabriel Zucmans Reichensteuer. Aber richtig!
Vor ihrer Weltkarriere als Autorin war Toni Morrison zwei Dekaden lang Lektorin bei Random House. Eine akribische Studie von Dana A. Williams erhellt diese Zeit, lässt das Wichtigste aber aus: den poetischen und politischen Kontext, in dem Morrison als eine der ersten Schwarze Literatur ermöglichte.
Kaum ein Kino beschäftigt sich interessanter mit Kapitalismus und sozialer Klasse als das südkoreanische. In Park Chan-wooks No Other Choice entscheidet nicht der Kontostand über den gesellschaftlichen Rang, sondern der Duft: ein Klassennarrativ, das Parasite vorgezeichnet hat.
The tastemakers of the prestige prose industry, Fitzcarraldo Editions extends its hegemony with an array of new poetry titles. Four new books clad in well-known white and blue turn towards the small and the strange—refusing relevance, embracing opacity, and letting language fail beautifully.
More and more international novels read as if their primary aim were translation into mass-market, globally legible English prose. Is Vincenzo Latronico’s Le perfezioni, written in Italian, one of them—or does it genuinely capture a generational ennui caught between dissent and assimilation?
Vincenzo Latronico’s Perfection is widely celebrated as an ultra-realistic portrait of the author’s generation—its expat condition, aspirations, and fears. More than a map of millennial angst and desire, the novel draws the reader into an intricate play of self-curation and authenticity.
In Darryl, Jackie Ess resurrects the 2010s in all their glossy malice while sending her protagonist through spirals of gender, sex, and heteropessimism. Beneath the deadpan humor of this unflinching debut lurks a puzzling question: what does it mean to be real when this is not what you feel?
Maschinenstürmer, Geschichtsfreak, Mondscheinromantiker, «Radiolurch». Thomas Pynchon hat viele Gesichter, nur das eigene hält er seit 70 Jahren geheim. Schön, dass er jetzt doch noch einen Roman geschrieben hat! Zu früherer Form kann er nicht mehr auflaufen – bleibt das Komplott um den Käse.
«Die Toten lagen auf dem Acker oder im Acker, aber sie lagen in jedem Fall außerhalb der Gesellschaft. Un-Menschen, deren Sterben erst in Kauf genommen, und dann schnell vergessen wurde. Feinde der herrschenden Ordnung, weil allein der Gedanke an ihre gerechte Wut zersetzend wirkt.»
Im Neoliberalismus verkümmerten die Glücksversprechen der Wirtschaftswunder zu einem Komplott aus Prekarität und Optimierungswut. Wie beschreibt man so ein Lebensgefühl? «Grausam optimistisch», nannte es Lauren Berlant 2011. Ein Instant Classic jüngerer Theoriebildung, endlich auch auf Deutsch.
Die feministische Kunsttheoretikerin Lu Märten war seit ihrem Tod 1970 vergessen, jetzt wird sie in Text und Ausstellung wiederentdeckt. Doch ihre visionäre Kritik am ästhetischen «Liberalismus» ist nicht reibungslos in einen Kunstbetrieb zu integrieren, der selbst von neoliberalen Strukturen lebt.
Kapitalismus speist sich aus einem Verdauungsproblem: Damit er gedeiht, muss seine Ausscheidung exponentiell wachsen. Simon Schaupp analysiert unsere metabolische Misere mit den Mitteln historischer Soziologie. Bleibt die Frage, wie man die Politik aus ihrer selbstverschuldeten Verstopfung befreit.
Bist du Bürgerkind und fällst hin, dann hebt dich deine Familie auf. Bist du Arbeiterkind, dann bleibst du liegen. Fien Veldmans Roman Xerox zeigt, wie sich die Klassenverhältnisse auch in der scheinbar flachen Start-up-Welt reproduzieren, ja verschärfen.
Kids these days flock to raves as if they were the latest incarnation of transcendence, but what about the political economy that squeezes profit out of every last pocket of subculture? McKenzie Wark and Hannah Baer on raving during a pandemic, late in life, and its ambivalent politics.
In Argentinien ist Inflation keine Erkrankung der Ökonomie, sondern Lebensform und kulturelle Konstante. Wer sie studiert, gelangt vom Urknall zum Volcker-Schock, vom Anarchokapitalismus zur wahnhaft kalkulierenden Einzelseele. Gibt es den graceful exit? Mit einer Hörfassung von Hanns Zischler.
Was wäre die Welt ohne Palo Alto, Palo Alto ohne Stanford und Stanford ohne Kalifornien? Malcolm Harris’ geschickt erzählte Geschichte des kalifornischen Kapitalismus setzt alles daran, den Geniekult des Valley zu demontieren, vergisst dabei aber das Wichtigste: die Arbeitenden.