Christopher Nolans «Odyssee» verteidigt das Kino gegen KI – mit großem Budget, viel Handwerk und einer PR-Kampagne, die das Genie des Regisseurs zelebriert. Spielt der Film auf der Höhe seiner Ambition? Und wie überzeugend ist Nolans Allegorie vom Zivilisationsbruch im Gegenlicht heutiger Krisen?
Nobody killed the humanities. And yet they lie in guilt and agony in their cave, reaching for the last roasted scraps of the Sun God’s sacred cattle. What does this end-of-the-world Odyssey summer mean for the public intellectual? And can they survive it?
Who has the freedom to be disliked? Wuthering Heights, One Battle After Another, and other recent cultural products reveal different approaches to navigating the politics of race and representation—shaping not only fictional characters, but the practice of criticism itself.
How it feels to watch Kristoffer Borgli’s twisted rom-com The Drama, starring Zendaya and Robert Pattinson, about an almost-canceled wedding when you’ve actually canceled your own.
Frustrated with the prestige that Joachim Trier’s Sentimental Value has amassed with ease, our critic argues that arthouse cinema has entered an age of “production value,” in which the mere aura of seriousness has replaced originality, and quality of execution is everything.
Kaum ein Kino beschäftigt sich interessanter mit Kapitalismus und sozialer Klasse als das südkoreanische. In Park Chan-wooks No Other Choice entscheidet nicht der Kontostand über den gesellschaftlichen Rang, sondern der Duft: ein Klassennarrativ, das Parasite vorgezeichnet hat.
In Jonathan Glazers The Zone of Interest dröhnt der Holocaust als Soundscape über die NS-Heimatidylle, in Selma Doboracs De Facto erzählen sich Menschheitsverbrechen in quälenden Monologen selbst. Beide Filme zeigen Täter, ohne Taten zu bebildern. Wie weit reicht ihre Kritik der Gewalt?
«Stimmen hören, und das auch noch in einem deutschen Kostümfilm, der von Gefühlen handelt – da kommt unweigerlich Kitschverdacht auf. Glücklicherweise umschifft Mascha Schilinskis In die Sonne schauen dieses Problem elegant, verkehrt das Klischee ins Gegenteil und macht es zur eigenen Stärke.»
It was a tragic turning point in the history of decolonization: the CIA-backed ousting and assassination of Congo’s president Patrice Lumumba. In the era’s visual and sound archives, Johan Grimonprez has tried to find a soundtrack to this fateful coup d’état, but fails to grasp its complex rhythms.
Als Antonio Scuratis Roman Mussolini erschien, hatte Trump gerade sein Amt angetreten. Seitdem hat sich die Lage nur noch weiter verschlechtert – die heutigen Nachahmer Scuratis benutzen den Faschismus als eine Kulisse für Liebesgeschichten und Coming-of-Age-Romane.
Burhan Qurbanis Kein Tier. So Wild. ist weder typisch deutsch-arabischer Gangster-Movie noch eine erbauliche Geschichte über weibliches Empowerment. Die Gewalt der Hauptfigur Rashida ist unversöhnlich und radikal – und passt gerade deshalb zum Stand der deutschen Einwanderungsgesellschaft 2025.
Nach der Pandemie sollte doch alles besser werden. Wenn die Erkrankten genauso schlimm dran sind wie zuvor und Care die prekärste Arbeit von allen bleibt, wird diese Misere dann jetzt wenigstens präziser dargestellt? Filme von Petra Volpe, Philipp Döring und die Serie KRANK zeigen: teils teils.
Mit dem Narko-Musical-Thriller Emilia Pérez wollte Hollywood einen alternden weißen Regisseur und eine mexikanisch inspirierte trans Schauspielerin für ihren vermeintlichen Wagemut feiern. Nun killen rassistische Tweets von Karla Sofía Gascón die Party. Der eigentliche Skandal liegt aber woanders.
Mit 97 überlebt Leni Riefenstahl einen Hubschrauberabsturz im Sudan – eine weitere Survivor-Story in ihrem an Heldengeschichten reichen Leben. In Andreas Veiels Doku Riefenstahl sind es nicht die kleinen Fehler, die R.s Lebenslügen aufdecken. Es ist die archivarische Sammelwut der Autorin selbst.
Kunstfilmer oder Autor, Gigworker oder Denker, Idealist oder Stratege – was war Harun Farocki? Seine Schriften in sieben Bänden und Nora Alters Forms of Intelligence zeigen ihn als autodidaktischen Trickster, für den das Spiel mit den Masken des Selbst formale und biografische Notwendigkeit war.
«Eine Karriere als süchtiges Sex-Symbol nimmt gezwungenermaßen ein Ende. Als Schriftstellerin kann ich so langlebig sein, wie die Wissenschaft es erlaubt» – die Figuren in Almodóvars Erzählungen plaudern aus, warum der Regisseur immer auch schrieb: über Verlust, Einsamkeit, und natürlich die Mutter.
Ein Deutscher ist jemand, der nicht lügen kann, ohne selbst an seine Lüge zu glauben. Sandra Hüller hat aus diesem Aphorismus eine Kunstform gemacht: In The Zone of Interest und Anatomie eines Falls blenden ihre Figuren die Wirklichkeit derart authentisch aus, dass man ihnen glauben muss – oder?
Mohamed Kordofani gehört zu einer Kohorte junger, autodidaktischer Filmemacher aus dem Sudan. Sein Goodbye Julia lief als erster sudanesischer Film in Cannes. Gender- und klassensensibel erzählt er von der rassistischen Hierarchie zwischen Nord- und Südsudan, die das Leben von Generationen prägt.
Letters are not quite a thing of the past; as a literary device they’re perfectly alive to open some doors and keep others shut. In current works by Adam Thirlwell, Ridley Scott and Maïwenn, letters trigger different yet eerily similar gendered fantasies about who is entrusted to write them and why.