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Im Sommer 2024 saß ich auf der Veranda einer alten Villa in Omdurman, im Schatten eines riesigen Mangobaums, und lernte, zwischen den Geräuschen von ausgehendem und eingehendem Artillerie- und Granatenfeuer zu unterscheiden. Wenn ein Geschoss von der Basis der sudanesischen Streitkräfte (SAF) im nördlichen Stadtteil Wadi Seidna abgefeuert wurde, gab es eine donnernde Explosion, die innerhalb einer Sekunde von einem unverwechselbaren metallischen Klirren unterbrochen wurde, mit dem die leere Hülse ausgestoßen wurde. Im Gegensatz dazu erzeugten die eingehenden Geschosse, die die Rebellen der Rapid Support Forces (RSF) von ihren Stellungen jenseits des Nils in Khartum-Nord abfeuerten, ein zischendes Geräusch, während sie heranrauschten. Wurde das Geräusch lauter, näherte es sich; verebbte es, war es bereits über uns hinweggeflogen. In beiden Fällen endete das Zischen nach wenigen Sekunden mit einem lauten Aufprall. Was folgte, ließ sich nicht in linearer Zeit messen: ein stilles Interregnum, in dem jeder Zeitverlauf in sich zusammenbrach, nur um sich kurz darauf wieder erkenntlich zu machen, im Schnappen nach Luft, im Aufschrei der Erkenntnis, etwa dass eine Decke eingestürzt war.

Auch im Berlin Review Reader 8

Omdurman ist eine Stadt, die überwiegend aus sonnengebackenen Lehmhäusern besteht; vereinzelt sammeln sich dazwischen Betongebäude. Als im April 2023 der Krieg ausbrach, versuchte die RSF zunächst vergeblich, in die nördlichen Stadtteile vorzudringen, um den Stützpunkt Wadi Seidna zu belagern, zu dem eine Militärakademie und ein Flughafen gehören. Stattdessen ging sie dazu über, aus der Ferne auf das Gebiet zu schießen. Nach einem Jahr des Beschusses waren die alten, gedrungenen Lehmbauten – für die drohende Sterblichkeit scheinbar passend gebaut – eher erschüttert als zerstört, während die neuen, höheren Bauten aus Beton wankten und zerbrachen.

Über den ganzen Mai und Juni 2024 war ich Ziel dieser täglichen Salven der RSF. Ich lebte mit meinen Eltern, die bereits Ende siebzig waren. Ein knappes Jahr hatten sie unter der Herrschaft der Rebellen in der Altstadt von Omdurman ausgeharrt, bis die verschiedenen Unannehmlichkeiten – kein fließendes Wasser, tägliche Schikanen unter vorgehaltener Waffe – sie schließlich zum Gehen veranlassten. An den Checkpoints der RSF waren dafür ziemlich großzügige Bestechungszahlungen fällig. Ein Freund eines Verwandten bot ihnen eine Notunterkunft in seinem nun leerstehenden Familienhaus an, das in den 1970er Jahren in einem einst sehr prächtigem Viertel im Norden der Stadt erbaut worden war. Seine kranke Mutter hatte Omdurman zu Kriegsbeginn verlassen, um zu ihren älteren Kindern zu ziehen, die schon seit Langem in den Golfstaaten lebten.

Der Krieg hatte den religiösen Kalender durcheinandergebracht, doch bestimmte Feste werden unter allen Umständen gefeiert: Ramadan und an seinem Ende Eid al-Fitr. Und Eid al-Adha, ungefähr zwei Monate später. Für Letzteres schlachteten mein Vater und ich, wie es die Tradition vorgibt, zwei Schafe, ein Schaf je Familie. Der Großteil des Fleisches ging an die örtliche Gemeinschaftsküche, die von Freiwilligen betrieben und von Anwohner:innen aus der Nachbarschaft finanziert wurde, denen, die geblieben waren und denen im Ausland. Für uns behielten wir jedoch genug, um für zwei Tage zu kochen. Zu den Gerichten gehörte umfitfit – wörtlich «eine Mahlzeit aus Häppchen» – zubereitet aus rohem Magen, Lunge und Leber, und gewürzt mit Salz, Pfeffer, Chili, Zitrone, zerdrücktem Knoblauch, Erdnusspaste und einem Spritzer Galle.

Gäste aus der näheren Umgebung kamen zum Essen, darunter ein Mechaniker aus unserem alten Viertel und ein Professor für Chirurgie, der mich Ende der 1990er Jahre an der medizinischen Fakultät unterrichtet hatte. Der Mechaniker hatte einige Monate in Gefangenschaft der RSF überlebt, indem er die Lieblingsgerichte seiner Peiniger zubereitete – dickflüssigen Hirsebrei mit Milch, das durstlöschende Hirse-Joghurt-Getränk «Gado Gado» – und die Autos reparierte, die sie ständig crashten. «Die RSF-Jungs schießen, aber sie verfehlen ihr Ziel», witzelte mein Professor in unserem belebten Gespräch. Uns hatten sie tatsächlich verfehlt, aber nicht jeder hatte so viel Glück. In der Nacht vor dem Opferfest waren zwei Granaten etwa 300 Meter von diesem Mangobaum entfernt eingeschlagen. Eine traf einen Friedhof, wo sie niemanden töten konnte, die andere ein bewohntes Haus, wo sie genau das tat.

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